Unterkunft vorbuchen oder nicht?

Bist du ein gut organisierter Mensch, planst deine Reisen genau und buchst deine Unterkunft im Voraus? Das habe ich auch immer so gemacht. Es gab mir ein beruhigendes Gefühl zu wissen, wo ich abends meinen Kopf ablegen konnte. Hier will ich dir aber erzählen, was passieren kann, wenn du dich einfach mal treiben lässt und nichts planst.

So kam ich in das verrückteste Hostel, in dem ich je übernachtet habe

Ich war in Na Trang in Vietnam und fand es einfach nur schrecklich. Versteh mich nicht falsch, es ist eigentlich ein schöner Ort mit einem breiten Sandstrand, aber leider hat dort der Massentourismus seine Spuren hinterlassen. Vor allem Russen scheinen dort gerne Urlaub zu machen, denn überall findet man Aufschriften und Speisekarten in Kyrillischer Schrift. Nach zwei Nächten wollte ich nur noch weg und buchte mir einen Bus nach Da Lat.

Wie so oft, blieb ich nicht lange alleine (“Warum du als Alleinreisende nicht einsam bist”, erfährst du hier). Am nächsten Morgen, als ich in den Bus stieg, traf ich Franzi. Ihr ging es wie mir, sie war froh einfach nur aus Na Trang wegzukommen. Wir quatschten die ganze Fahrt und stellten fest, dass wir auf der selben Wellenlänge waren. Da wir beide keinen Plan hatten, beschlossen wir uns zusammen zu tun und gemeinsam eine Unterkunft zu suchen.

In Da Lat angekommen, spuckte der Bus uns und ein paar andere Backpacker aus. Wir hatten keine Ahnung, in welche Richtung wir uns aufmachen sollten, also fragten wir die anderen Reisenden, ob sie schon eine Unterkunft hätten. Ein Grüppchen Deutscher lud uns ein, sie zu begleiten. Der Anführer war völlig aus dem Häuschen und sagte, er hätte ein ganz cooles Hostel gebucht.

Mit wenig Erwartungen kamen wir zu einem zweistöckigen Haus am Hang, wo wir von Anhi begrüßt wurden. Wir hatten Glück und es gab noch zwei freie Betten im Mädchenschlafsaal. Betten ist eigentlich zu viel gesagt. Es waren tatsächlich dünne Matratzen auf dem Dachboden. Der Schlafplatz kostete nur 3$ pro Nacht, also blieben wir.

 

Außenansicht des Dalat Family Hostel in Vietnam

Anhi betrieb das Hostel mit ihrer Schwester und der Mutter. Die beiden Schwestern waren etwa Mitte zwanzig. Sie erklärten uns, wir könnten abends auch im Hostel essen, wenn wir einen Tag vorher Bescheid sagen würden. Außerdem würden sie verschiedene Touren anbieten und mit den Bewohnern, die Interesse hätten, abends ausgehen.

Eine Tour, bei der ich meine Grenzen überwand und ein Abendessen bei Mama

Als Franzi hörte, dass man auch Canyonig-Touren machen konnte, buchte sie gleich eine für den nächsten Tag. Von ihrer Spontanität und Begeisterung angesteckt, schloss ich mich ihr an, ohne lange zu überlegen. Erst später wurde mir klar, auf was ich mich da eigentlich eingelassen hatte. Wie ich so auch noch völlig unerwartet meine eigenen Grenzen überwunden habe, kannst du in meinem Artikel “So wirst du auf Reisen eigene Grenzen überwinden” lesen.

Am zweiten Tag aßen wir im Hostel zu Abend. Das Essen kochte die Mama, die genau so abgedreht war wie ihre beiden Töchter. Obwohl sie kein Wort Englisch sprach, scherzte sie die ganze Zeit mit uns und schnitt Grimassen. Wir saßen zusammen in der Runde auf dem mit Matten ausgelegten Küchenboden und reichten uns Schüsseln mit Essen herum. Dadurch kamen wir alle in Kontakt und kannten uns schon, als wir abends zusammen in die Disco gingen. Dank dem Dalat Family Hostel und den verrückten Betreiberinnen fühlte ich mich bald wie unter Freunden.

 

Abendessen im Dalat Family Hostel - Alle sitzen auf dem Boden und das Essen steht in der Mitte.

Wenig Komfort aber trotzdem toll

Ehrlich gesagt, war das Hostel alles andere als komfortabel. Das warme Wasser reichte nie für alle Bewohner, also musste man meistens kalt duschen oder es ganz sein lassen. Auch die „Betten“ waren nicht besonders bequem. Selbst das Essen der Mama war nur mittelmäßig, aber trotzdem würde ich sagen, dass das die tollste Unterkunft war, in der ich je übernachtet habe.

Insgesamt bin ich drei Nächte geblieben und habe nach der Canyoning-Tour auch noch eine Easy Rider-Tour mit Franzi gebucht. Auf die Idee hatte mich einige Tage zuvor Chrissi gebracht, die ich in Pakse kennengelernt hatte. Doch dazu erfährst du mehr in einem meiner nächsten Artikel. 

Warum ich es gut finde nicht vorauszubuchen

Dieser Stopp in Da Lat war von mir überhaupt nicht geplant. Da Lat hatte ich nicht einmal auf dem Schirm, als ich zu Hause losgeflogen bin. Hätte ich meine ganze Reise vorgebucht, wäre ich nie dort hingekommen. Dann hätte ich zwei unvergessliche Touren, viele nette Leute und zwei sehr lustige Abende verpasst. Außerdem wäre ich nie im verrücktesten Hostel der Welt abgestiegen und hätte auch nicht Anhi und ihre abgedrehte Familie kennengelernt.

Natürlich macht es manchmal Sinn vorher zu buchen. Ich mache das immer noch, wenn ich irgendwo spät ankomme oder die Unterkünfte sehr gefragt sind. Im Normalfall findest du aber vor Ort auch spontan eine Unterkunft. Probier es einfach mal aus! So behältst du die Freiheit dich Reisebekanntschaften anzuschließen oder Tipps anderer Reisender zu folgen. Mach das nicht unbedingt am ersten Tag deiner Reise, aber sobald du wirklich angekommen und im Reisemodus bist. Wie du eben gelesen hast, können so deine schönsten Reiseerinnerungen entstehen.

Ich bin schon ganz neugierig, zu welchen Abenteurern es dich verschlagen wird. Schreibe mir bitte, was du erlebt hast! Vielleicht können wir so auch noch anderen Mut machen, sich auf Reisen einfach mal treiben zu lassen.

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