Teezeremonie in Nara - japanische Kultur hautnah

In der kleinen Stadt Nara habe ich einen unerwartet authentischen Einblick in die japanische Kultur bekommen. Eine japanische Reisende hat mir gezeigt, wie eine Teezeremonie zu Hause abläuft. Wie es dazu kam und was das damit zutun hat, dass ich dort alleine unterwegs war, erfährst du in diesem Beitrag.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber auf Reisen möchten ich vor allem die fremde Kultur kennenlernen. Ich schauen mir die Sehenswürdigkeiten an, lese etwas über die Geschichte, aber besonders interessieren mich die Traditionen und Verhaltensweisen der Menschen. 

Als ich mit meiner Freundin Alex zwei Wochen in Japan unterwegs war, habe wir viele verrückte Dinge gesehen und erlebt. Der japanischen Kultur und den Japanern bin ich aber erst am vorletzten Tag der Reise so richtig nahe gekommen. Alex wollte sich einen Sumo-Wettbewerb am anderen Ende des Landes ansehen und ich bin, müde vom ständigen Ortswechsel, schon nach Nara vorausgefahren.

Wie ich in Nara unerwartet zu einer Teezeremonie gekommen bin

Nara ist ein besonderes Städtchen. Es ist viel kleiner als beispielsweise Tokyo oder Kyoto und es gibt freilaufende Hirsche. Sie sind überall in der Stadt und eine große Touristenattraktion. Außerdem gibt es viele kleine Geschäfte, einen Park, eine Pagode und eine Tempel.

Ich war den ganzen Tag in der Stadt unterwegs und habe mir die Highlights angesehen. Besonders angenehm fand ich die Ruhe, die Nara den Großstädten voraus hat. Nachdem ich eine Portion Soba gegessen hatte, bin ich schließlich am Abend ins Guesthouse gegangen. So mache ich es meistens, wenn ich alleine unterwegs bin. Immer in Bewegung bleiben, viel ansehen und erst wenn ich müde bin ins Hostel gehen.

Meine Unterkunft war ein über 100 Jahre altes traditionelles japanisches Holzhaus mit einem sehr schönen Gemeinschaftsraum, einer Gemeinschaftsküche und einem Bad mit steinerner Badewanne. Dort angekommen, machte ich mich erstmal frisch und setzte mich anschließend in die Küche, um meinen nächsten Tag zu planen.

So lernte ich Satomi kennen, eine etwa fünfzigjährige Japanerin, die in der Küche ihr Abendessen zubereitete. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte, dass sie ihr Geschirr für eine Teezeremonie auf Reisen immer bei sich hätte. Solche traditionellen und kulturellen Bräuche interessieren mich sehr. Ein paar Jahre zuvor habe ich schon einmal eine chinesische Teezeremonie mitgemacht und wollte jetzt unbedingt sehen, wie das in Japan vonstatten geht.

Ich fragte Satomi, ob sie mir zeigen könnte, wie so eine Zeremonie abläuft. Die Taiwanesin Xinyu, die ebenfalls mit uns am Tisch saß, war von der Idee ganz begeistert. Satomi freute sich über unser großes Interesse an der japanischen Kultur und wir verabredeten uns eine Stunde später im Gemeinschaftsraum.

Ein Traum traditioneller japanischer Baukunst

Der Gemeinschaftsraum war das Herzstück des wunderschönen alten Hauses. Boden und Wände waren komplett aus Holz. Auf der einen Seite war ein kleiner buddhistischer Altar aufgebaut und die Wand gegenüber war von der Decke bis zum Boden verglast, wodurch man den Eindruck hatte, der gepflegte japanische Garten käme direkt ins Haus. Die perfekte Kulisse für unsere Teezeremonie. 

Besonders raffiniert war die Sitzgelegenheit in der Mitte des Raumes. Auf einem Podest war ein Graben eingelassen, über dem ein Tisch mit kurzen Beinen stand. Auf dem Tisch lag eine dicke Decke, die den Graben ganz verschloss. Über die Decke hatte man eine zweite Tischplatte gelegt, so dass der Tisch weiterhin benutzt werden konnte.

Der Aufenthaltsraum in einem traditionellen japanischen Holzhaus, mit Blick auf den japanischen Garten.

Die Teezeremonie

Wir setzten uns an den Tisch und stellten unsere Füße in den Graben. Der Graben war beheizt und die Decke, die nun auf unserem Schoss lag, hielt die Wärme an den Beinen. Am Tisch saßen ein paar chinesische Studenten, die sich unserer Gruppe anschlossen.

Die Japanerin packte ihr Reiseteeset aus und erklärte uns, dass man verschiedene süße Kleinigkeiten zur Teezeremonie serviert. Sie teilte ein paar dieser süßen Leckereien unter uns auf, dann gab sie ein wenig Matchapulver in eine Schale und goss ein wenig Wasser dazu. Anschließend erklärte sie uns, wie man das Matchapulver mit dem Chasen, einer Art kleinem Schneebesen aus Bambus, richtig schaumig schlägt.

Routiniert zauberte sie eine perfekte feinporige Schaumschicht auf ihren Matcha, vergleichbar der „Crema“ auf einem Espresso. Wir durften alle von dem Tee probieren, der etwas bitter und sehr ungewohnt schmeckte. Es wurde nicht mein Lieblingsgetränk, auch wenn er sehr gesund sein soll. 

Schließlich war ich dran es zu versuchen. Mit einem gebogenen Holzlöffel, dem Chashaku, gab ich ein Häufchen Matchapulver in die Tonschale und goss das heiße Wasser darauf. Dann bewegte ich den Chasen locker aus dem Handgelenk zickzackförmig durch die Flüssigkeit, so wie es uns Satomi gezeigt hatte. Mein Schaum wurde natürlich nicht ganz so perfekt, aber die Japanerin war zufrieden mit meinem Lernerfolg. So ging es der Reihe nach weiter, bis jeder von uns dran gewesen war.

Anschließend saßen wir alle noch eine ganze Weil zusammen und unterhielten uns. Ein weiteres Mal machte ich die Erfahrung, dass man als “Alleinreisende nicht einsam” ist. In einer Runde voller fremder Menschen fühlte ich mich zu Hause und konnte auch noch hautnah einen wichtigen Teil der Kultur Japans kennenlernen. Natürlich war diese Teezeremonie nicht nach den streng traditionellen Regeln, sondern eher so, wie man sie zu Hause in den eigenen vier Wänden praktiziert.

Eine meiner liebsten Reiseerinnerungen

Dieser Abend war ein eindrucksvolles Erlebnis für mich. Eine besonders schöne Erinnerung daran ist die Skizze, die eine der chinesischen Studentinnen von unserer Runde gezeichnet hatte. An diesem Abend hat sich für mich wieder einmal bestätigt, dass man viel intensiver reist, wenn man alleine unterwegs ist. 

Skizze der japanischen Teezeremonie, die ich in Nara mitmachen durfte.

Ich war nur 24 Stunden ohne Alex in Nara, diese habe ich aber ganz anders erlebt, als die übrigen zwei Wochen in Begleitung. Das liegt vor allem daran, dass die Menschen eher auf einen zukommen, wenn man alleine ist und man sich mehr auf das einlassen kann, was um einen herum passiert. 

Wenn du dich also nicht traust ganz alleine zu reisen, dann versuche dich wenigstens für ein oder zwei Tage von deinem Reisepartner zu trennen und etwas eigenes zu unternehmen. Du wirst sehen, dass du so ganz andere Erfahrungen machen wirst als wenn du mit jemandem zusammen unterwegs bist.

Trau dich auch in Hostels abzusteigen, wo es Gemeinschaftsräume gibt und nutze sie. Schau, dass du dir eine Unterkunft aussuchst, die zu dir passt. Buch dir also nicht das Backpackerhostel, in dem vor allem Party People absteigen, wenn du eher an Kultur interessiert bist, als am Trinken und Feiern.

Hinterlasse mir hier einen Kommentar und erzähle mir von deiner Geschichte! Was hast du erlebt? Gibt es etwas, das du dir wünschst? Hält dich etwas davon ab, deine Wünsche zu verwirklichen? Lass mich an deinen Gedanken und Erlebnissen teilhaben!

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