So wirst du auf Reisen eigene Grenzen überwinden

Zu reisen ist eine sehr gute Gelegenheit deine eigenen Grenzen zu überwinden und dich Dinge zu trauen, die du im normalen Alltag niemals machen würdest. Du bist völlig raus aus deinem gewohnten Umfeld und auch die einengenden Gedanken, die dich oft zurückhalten, sind ganz weit weg. Außerdem hast du Menschen um dich, die unternehmungslustig sind und dich mit ihren Ideen und ihrer Abenteuerlust anstecken.

Ich weiß ja nicht, wie du darüber denkst, aber ich bin eher jemand, der auf Nummer sicher geht. Mir sind Aktivitäten mit Netz und doppeltem Boden am liebsten. Riskante Sportarten sind nicht mein Ding, auch wenn ich schon lange davon träume einmal Fallschirmspringen oder Drachenfliegen auszuprobieren. An so verrückte Sachen wie Canyoning habe ich jedenfalls nicht einmal im Traum gedacht.

Beim Canyoning bewegt man sich durch Schluchten, indem man klettert, sich abseilt, Klippen herunterspringt, schwimmt und Wasserfälle hinunterrutscht. Klippen runterspringen? Wasserfälle runterrutschen? Niemals! – So hätte ich früher reagiert. Aber in Vietnam habe ich genau das gemacht.

Wie es dazu kam

Wieder hat sich gezeigt, dass man auf Reisen nicht lange alleine bleibt (Glaubst du nicht? Dann ließ meinen Beitrag “Warum du als Alleinreisende nicht einsam bist”.). Das Canyoning habe ich nämlich Franzi zu verdanken, die ich auf einer Busfahrt von Nha Trang nach Da Lat kennengelernt habe. Wir hatte beide noch keine Unterkunft gebucht und da wir uns auf der Fahrt gut verstanden, beschlossen wir uns gemeinsam eine zu suchen. So bin ich auch in einem der verrücktesten und gleichzeitig tollsten Hostels gelandet, die ich je gesehen habe. Aber das ist eine andere Geschichte. Du kannst darüber in meinem Artikel “Unterkünfte vorbuchen oder nicht?” lesen.

Im Hostel angekommen, stellte Franzi begeistert fest, dass dort Canyoning-Touren angeboten wurden. Ehe ich es mich versah, hatte wir beide eine Tour für den nächsten Tag gebucht. Erst einige Zeit später wurde mir klar, worauf ich mich eingelassen hatte. Ich war schließlich so aufgeregt, dass ich die ganze Nacht nicht schlafen konnte.

Die Canyoning-Tour

Am nächsten Morgen wurden wir mit ein paar anderen lebensmüden Touristen zur Schlucht gefahren. Jeder von uns bekam ein Klettergeschirr und wir wurden angewiesen, alles im Auto zu lassen, auch unsere Sonnenbrillen und Kameras.

Ein Felsen im Dschungel über den ein Wasserfall in ein Wasserbecken fällt.

In der Schlucht angekommen, liefen wir erst noch ein Stück in den Dschungel hinein und kurze Zeit später waren wir an einem flachen Wasserfall mit mehreren glatten Hubbeln. Unser Guide erklärte uns, wir sollten uns mit dem Kopf zuerst auf den Rücken legen und uns vom Wasser mitziehen lassen. Rückwärts durch das Wasser zu treiben, ohne zu sehen, wo es hingeht, war schon etwas merkwürdig, aber alles in allem harmlos und lustig.

Weniger lustig wurde es dann, als wir an einer elf Meter hohe Klippe ankamen. Man stellte uns vor die Wahl entweder einen rutschigen Abhang herunter zu klettern oder mit Anlauf von der Klippe in einen See zu springen. Mit Anlauf deswegen, weil wir sonst auf dem Vorsprung unterhalb der Klippe aufschlagen würden. Spätestens da bin ich an meine erste Grenze gestoßen.

Wie ich gleich mehrere meine Grenzen nacheinander überwunden habe

Während meine Leidensgenossen sich einer nach dem anderen überwanden zu springen, rang ich mit mir selbst. Schließlich bin ich aber gesprungen, weil mir der Abhang noch mehr Angst machte. Ich nahm Anlauf und musste mich zwingen nicht abzubremsen, sonst hätte ich mit dem Felsen drei Meter weiter unten unfreiwillig Bekanntschaft gemacht. Die wenigen Sekunden in der Luft kamen mir endlos vor, aber dann landete ich doch im Wasser. Unten angekommen, war ich erleichtert diese Hürde geschafft zu haben. Das war aber noch lange nicht die größte Herausforderung dieser Tour.

Es ging weiter zur sogenannten „Washing Machine“. Das war ein kleiner steiler Wasserfall, den wir zunächst gar nicht sehen konnten. Wir mussten uns erst über einen Felsvorsprung hinweg abseilen und uns dann in den Wasserfall hineinfallen lassen. Da es keine Alternative gab nach unten zu kommen, überwand ich auch hier meine Grenze und machte es.

Ganz ehrlich – als mich nach meinem Sprung das Wasser verschluckte, dachte ich, mein letztes Stündlein hat geschlagen und der Moment trat ein, an dem ich mein Leben an mir vorbeiziehen sah. Es hat mich unkontrolliert eine gefühlte Ewigkeit herumgeschleudert, bis ich wieder an die Wasseroberfläche kam. Du meinst, das klingt dramatisch?! Die „Washing Machine“ war noch nicht das Highlight dieser Tour! Das hat man sich zum Schluss aufgehoben.

Das Highlight der Tour und die größte Herausforderung

Letztendlich kamen wir an einen 25 m hohen Wasserfall, innerhalb dessen wir uns abseilen sollten. Ja, du hast richtig gelesen. Innerhalb! Der Wasserfall war sehr breit und man ließ an zwei Stellen im reißenden Strom Seile über die Felsenkante herunter. Die Seile waren nur 15 Meter lang, was bedeutete, dass wir die letzten zehn Meter springen mussten.

Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so viel Angst gehabt, wie in dem Moment, als ich am Abgrund stand und mir klar wurde, dass ich da runter musste. Das wurde auch nicht besser, als eine aus unserer Gruppe ausrutschte und dann völlig hilflos in den Fluten hin und her baumelte. Selbst die Guides schienen mit der Situation überfordert zu sein. Hier bin ich definitiv an meine Grenzen gestoßen.

Auch hier hatte ich aber keine andere Wahl, als ein weiteres mal meine Angst zu überwinden und es durchzuziehen. Also habe ich mir alle Zeit der Welt genommen, um mich im Schneckentempo den rutschigen Felsen hinunter abzuseilen. Als ich mich schließlich in das kühle Wasserbecken fallen ließ, war ich unendlich erleichtert und fühlte mich wie ein Held.

Eigene Grenzen zu überwinden macht dich stärker

Du findest, das hört sich nicht so an, als müsste man das selbst unbedingt mal gemacht haben?! Vielleicht liest sich meine Geschichte wirklich nicht so, als hätte ich Spaß gehabt. Zugegeben, ich hatte mehr als einmal richtig Schiss, aber ich würde es wieder tun! Es ist so ein tolles Gefühl seine eigenen Grenzen überwunden zu haben. Ich bin noch heute, Jahre später, unheimlich Stolz darauf, dass ich es geschafft habe. Wenn ich in eine Situation komme, in der ich an meiner Stärke zweifle, dann erinnere ich mich an diese Tour und weiß, dass ich viel mehr kann, als ich für möglich halte.

Es muss nicht gleich eine Canyoning-Tour sein, aber du solltest dir unbedingt vornehmen, dich bei deiner nächsten Reise selbst herauszufordern. Mach etwas, das du dich noch nie getraut hast. Berichte mir davon, hinterlasse hier einen Kommentar und lass mich an deinem Erlebnis teilhaben!

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert